Die Finanzminister der norddeutschen Bundesländer haben am 19.06.2026 ein gemeinsames Positionspapier zur Reform der Erbschaftsteuer veröffentlicht.
Die Botschaft ist eindeutig:
Große Vermögen sollen künftig stärker besteuert werden.
Insbesondere die heute bestehenden Begünstigungen für Betriebsvermögen, Familienstiftungen und große Immobilienvermögen stehen auf dem Prüfstand.
Warum ist das relevant?
Nach Angaben der Finanzministerien wurden im Jahr 2024 bundesweit in lediglich 45 Fällen ursprünglich festgesetzte Erbschaftsteuern von insgesamt 3,6 Milliarden Euro auf rund 200 Millionen Euro reduziert.
Das entspricht einer Steuerersparnis von rund 95 %.
Aus Sicht der Finanzminister zeigen diese Zahlen, dass die bestehenden Verschonungsregelungen teilweise deutlich über ihr ursprüngliches Ziel hinausgehen.
Diese Änderungen werden aktuell diskutiert
• Einschränkung der Verschonungsregelungen für große Betriebsvermögen (§§ 13a, 13b ErbStG)
• Verschärfung der Verschonungsbedarfsprüfung (§ 28a ErbStG)
• Eindämmung von Gestaltungen über Familienstiftungen
• Überprüfung der Begünstigungen für große Wohnungsunternehmen
• Einführung einer Art Mindestbesteuerung für sehr große Vermögensübertragungen
• Ausweitung der Stundungsmöglichkeiten, damit Unternehmen Erbschaftsteuer über längere Zeiträume zahlen können
• Prüfung eines sogenannten Lebensfreibetrags anstelle der bisherigen alle zehn Jahre nutzbaren Freibeträge (§ 16 ErbStG)
Was bedeutet das für Familienunternehmen?
Die Finanzminister betonen ausdrücklich, dass Unternehmensnachfolgen weiterhin möglich bleiben sollen.
Gleichzeitig wird aber deutlich:
Die politischen Diskussionen richten sich zunehmend gegen große steuerfreie Vermögensübertragungen.
Wer die Unternehmensnachfolge, die Übertragung von Immobilienvermögen oder die Einbindung von Familienstiftungen plant, sollte die weitere Entwicklung genau beobachten.
Besonders spannend
Für dieses Jahr wird eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftsteuer erwartet.
Diese könnte den Gesetzgeber zu weiteren Anpassungen zwingen und die Diskussion nochmals deutlich beschleunigen.
Fazit
Noch handelt es sich lediglich um Reformvorschläge.
Die Richtung ist jedoch klar erkennbar:
Mehr Besteuerung großer Vermögen, weniger Gestaltungsmöglichkeiten und gleichzeitig ein stärkerer Fokus auf den tatsächlichen Erhalt von Unternehmen und Arbeitsplätzen.
Wer größere Vermögensübertragungen oder eine Unternehmensnachfolge plant, sollte bestehende Strukturen frühzeitig überprüfen und mögliche Handlungsoptionen analysieren.